Aus dem Zeitungsarchiv 1905 von A. Herzog „950 Meter über dem Meere“:

Aus dem Zeitungsarchiv ein Artikel geschrieben 1905 von A. Herzog „950 Meter über dem Meere“: 

beschrieben wird unter anderem das Leben rund um den Weissensee, das Heuziehen (so wurden die Peloschen, Messossen und Wurden noch nötig als Bergmähder gebraucht, denn im Tal benötigte man den Grund als Ackerflächen) dem Leben im Winter und dem Protestantismus

 

Historisches Zeitungsarchiv Grazer Tagblatt 26. März 1905 Seite 7 und 8

https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=gtb...

 

Still und friedlich wie die Landschaft selbst sind auch die Bewohner. Selten erregen Weltereignisse das Weißenseetal, obwohl jeder Bauer seine „Allgemeine Bauernzeitung“ hält, im Gasthause noch eine Tageszeitung liest und sich über alles, was in der Welt vorgeht, auf dem Laufenden hält. In politischer Gesinnung echt fortschrittlich, dem Glauben nach durchwegs Protestanten, kennen sie unter sich keinen Zwist, keine Zänkereien. Wie sie im übrigen zusammenhalten, so auch bei der Arbeit. Der eine Bauer hilft dem anderen und das nächstemal wird´s „abgekehrt“. Wenn sie auf dem Lande fertig sind, geht´s in die Hochwiesen, wo sie oft tagelang auf der Alpe bleiben, manchmal von schlechtem Wetter aufgehalten.

 

Anfangs Oktober geht dann das „Heuziehen“ an. Obwohl das eine lebensgefährliche Beschäftigung ist und sich dabei manchmal ein Unglücksfall ereignet, freut sich doch jeder Bursche darauf (wie die Mädchen aufs Flachsbrecheln), denn da wird im betreffenden Hause eine Art Festmahl gegeben, wobei es lustig zugeht. Um 10 Uhr abends geht man vom Hause weg, fährt mit dem Boot den See hinab, wohin man schon tags vorher die Schlitten auf einem Floß gebracht hat. Von dort aus trägt jeder seinen Schlitten zwei bis drei Stunden weit den steilen Berg hinan. Nicht selten kommt es vor, daß auch Weiber und Mädchen ihre Schultern mit dem schweren Schlitten beladen, um die gefährliche Fahrt herunter mitzumachen. Oben wird das Heu aus dem Schupfen genommen, auf die Schlitten gefaßt und wenn alle fertig dastehen, geht es den steilen Weg (gewöhnlich ist es gar kein Weg, sondern nur ein felsiger Graben, wo Holz hinabgetrieben wird) hinunter. Wie der Wind fliegen sie dahin, der Mutigste voraus. Das ist dann natürlich eine besondere Ehre, wenn eine Frauensperson unten wohlbehalten mir ihrem Schlitten ankommt, während einer der Burschen umgeworfen hat. Hat man dann die Schlitten alle glücklich beim See, so werden sie auf´s Floß gebracht und unter Gesang und lustigen Schnurren (manchmal ist auch ein Harmonikaspieler dabei) wird über den See hinaufgerudert. Gegen Abend kommen die Heuzieher heim. Der Tisch ist gedeckt, manchmal haben die Mädchen einen Strohmann dazu gesetzt, und die müden Leute begeben sich zum Mahl, da gibt´s in Leinöl gebackene Krapfen, Strudel (mit Mohn oder gar Weinbeeren gefüllte Dampfnudeln), Fleisch und Knödel, auch der selbstgebrannte Birnschnaps darf nicht fehlen. Trotz der Müdigkeit sitzt man noch geraume Weile beisammen, erzählt und singt….

©Heidi Fian

Quelle: Michael Skihar - Alte Ansichten vom Weissensee in Kärnten

 

Bild: Ansichtskartenportal AKON Österreichische Nationalbibliothek

Ansichtskartenportal AKON Österreichische Nationalbibliothek
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Pelloschen, Wurden, Mesosen, Thörl