Am 3. d. M. wurde der bisherige Bürgermeister Josef Müller, vulgo Kalt, als solcher wiedergewählt. Er steht nun das 22. Jahr an der Spitze der Gemeinde, die er mit großer Umsicht und musterhafter Ordnung verwaltet. In Anerkennung seiner Verdienste wurde ihm schon im Jahre 1898 das goldene Verdienstkreuz verliehen. Gemeinderäte sind der Schulleiter A. Lerch und der für das öffentliche Wohl stets besorgte Besitzer Andreas Kolbitsch in Oberdorf. –
Der im ganzen milde Winter hat uns bisher etwa 4,5 m Schnee gebracht; aber sehr wässerig. Die hohe Schneelage verursachte, daß viele Rehe durch Hunger umkamen. Eifrig wurde dem Raubwilde nachgestellt, und es wurde aus dem Verkaufe von Marderbälgen ein Erlös von etwa 200 K erzielt. –
(Winterschlaf.) Ein so schneereicher Winter wie der diesjährige hat sich seit langem nicht eingestellt, und wenn man außer den Bergwänden noch meterhohe Schneewände sieht, kehrt man doch auch wieder einmal etwas tiefer in sich zurück, umso mehr aber, wenn, wie es heuer der Fall war, alle Verbindungswege mit der Außenwelt abgeschnitten gewesen sind. Die meisten Leute erinnern sich nur weniger so scharfer Winter, wie sie sagen. Dabei aber geht es den Forellen gut. Der alte Fischer Zwitscher hat das liebe Kreuz mit „seine Brünn“, wo die „Reischen“ (Weidenkörbe, die ins Wasser gehängt sind) voll der herrlichsten Forellen sind und er wegen zu hohen Schnees nicht dazu kommt. Allgemein wird wahrgenommen, daß die Forelle hier zurückgeht, obgleich jährlich Tausende kleiner Brut ausgesetzt werden, die aber deshalb, weil sie zu früh und zu klein ausgesetzt werden, den Raubfischen zum Opfer fallen.
Unser rühriger Herr Lehrer, der auch die „Auskunftei“ im Fremdenwesen leitet, um welches er sich sehr verdient gemacht hat, ruht auch im Winter nicht und trachtet die Geselligkeit am See aufzufrischen. Letzten Sonntag hatten wir hier in Herzogs hübscher Gastwirtschaft Theater unter seiner Regie. Aufgeführt wurde der Bauernschwank: „ Professor Gokulorum.“ Die hiesigen beiden k.k. Förster wovon Herrn Reinhofer die Titelrolle zufiel, spielten famos, ebenso der „Dorflump“. Auch die drei Frauen leisteten Hübsches, und die Tochter des Herrn Plattner, die „Resl“, ein reizendes Mädchen, erfreute die Zuschauer durch ihren lieblichen Gesang besonders. Der ganz nette Reinertrag floß, sowie jener des bei der rührigen Wirtin Frau Moser abgehaltenen Feuerwehrkränzchens, dem Löschfonde Weißensee zu.
Anm.: Fischer Zwitscher war Johann Walker vlg Nemast geb. 1836, verh. 1889 in zweiter Ehe mit Maria Winkler vom Oberländer, 1904 Halbbesitzer vom Tschabitscher gemeinsam mit Andreas Kolbitsch, errichtete in Techendorf Schattseite Anfang 1900 das sogenannte "Tschwitscherhäusl"
©Heidi Fian
Quelle: Michael Skihar - Alte Ansichten vom Weißensee in Kärnten
Bild Michael Skihar, Neusach Blick Richtung Naggl Rauna