31. Oktober Reformationstag

1781 Toleranzpatent Josef II. und die Predigersuche des Jakob Winkler vlg Pletz Gatschach

 

2 Bestimmungen des Patentes waren besonders wichtig:

 

Wo 100 Familien oder 500 Personen evangelisch (damals akatholisch) waren, durfte ein eigenes Bethaus und eine Schule erbaut werden. Einschränkungen gab es, das Bethaus durfte keinen Turm haben, keine Glocken und keinen öffentlichen Eingang von der Ortsstraße her.

 

Die andere Bestimmung besagte, dass diese Akatholiken sich ihren Pfarrer selber auswählen konnten, aber in der Lage sein mussten, ihm finanziell Unterhalt zu geben.

Nun wurde beschlossen auf Pfarrersuche zu gehen.

 

Für Watschig sollten Andreas Ronacher vlg Winkler Kreuth ob Rattendorf und für Weißbriach/Weissensee Johann Haßlacher und Jakob Winkler vlg Pletzwirth in Gatschach gehen, um einen akatholischen Seelenhirten aus dem Königreich Ungarn oder auch aus dem Herzogtum Teschen (Schlesien, heute Polen, Tschechien) zu holen.

 

Am 22.8.1782 wurde beim Marktrichter in Hermagor eine Vermögensbestätigung abgeholt, um nachzuweisen, dass sie die betreffenden Pastoren bezahlen können.

 

Am 23.8.1782 gingen sie nach Villach und erhielten vom Kreishauptmann den Pass für die Reise. Erste Station ihrer Reise war Wien, wo ihnen der Vertreter der ungarischen evangelischen Landstände ein Begleitschreiben nach Preßburg (damals Ungarn, heute Bratislava) mitgab. Die Chronik vermerkt, dass sie bei ihrer Ankunft in Preßburg den ersten öffentlichen Gottesdienst miterlebten und an der Abendmahlsfeier teilnahmen. Nachdem sie in Preßburg keinen Prediger finden konnten, wurden sie zum Superintendenten Torkos nach Modern (heute Modra/SK) geschickt. Dort liefen sie, wie es scheint, „von Pontius zu Pilatus“, doch vergeblich. Daraufhin bekamen sie den wohl entmutigenden Rat, lieber nach Nürnberg zu marschieren, denn die Ungarn brauchten ihre Kandidaten für sich selbst.

 

Recht niedergeschlagen kehrten unsere drei Abgeordneten nach Preßburg zurück. Dort hörten sie, mehr aus Zufall, dass sich zwei Kandidaten der Theologie, Johann Georg Renner aus Weißenburg in Franken und Johann Gotthard aus Ungarn in der Stadt aufhielten. Beide verdienten sich als Hauslehrer ihren Lebensunterhalt. Diese wurden nun von den Abgeordneten umworben, doch nach Kärnten mitzukommen. Renner entschloß sich zuerst für Weißbriach, als aber Gotthard davon hörte, dass Watschig immer wieder der Hochwassergefahr ausgesetzt war, tauschten sie ihre Zielorte.

 

Die zukünftigen Pfarrer verpflichteten sich, mit aller erforderlichen Treue eines Seelsorgers und Predigers die dazugehörigen Verrichtungen fleißig und gewissenhaft zu versehen. Die Abgeordneten ihrerseits versprachen schriftlich ein Jahresgehalt von 300 Gulden, eine bequeme, freie Wohnung, genügend Brennholz und freien Fleischbotenlohn, datiert mit 5.September 1782.

 

Der Auftrag für die Abgeordneten war mit diesen Zusagen erfüllt, dementsprechend groß war auch die Freude; die Chronik vermerkt dazu: ….sie liefen ganz froh in der Stadt herum und machten ihr Glück jedermann bekannt.

 

Auf dieser Reise wurden bis Modra fast 500 km in 14 Tagen zurückgelegt. Die Eisenbahn war noch nicht gebaut. Gereist wurde mit dem Pferdewagen oder zu Fuß.

 

 ©Heidi Fian

 

Quelle:  Michael Skihar - Alte Ansichten vom Weißensee in Kärnten

 

Bild Michael Skihar

 

 

Bethaus, Techendorf, evangelische Kirche
Bethaus links wurde 1907 umgebaut zur Volksschule und Gemeindeamt