Freie Stimmen 18.12.1889

Zum heutigen Wetter:

 

Freie Stimmen 18.12.1889

 

Weißbriach, 12. December. (Postalische Schmerzen. – Holzstoff Fabrik.) Wenn wir heute zum Fenster hinaussehen, und den lustig niederwirbelnden Schnee betrachten, so erfasst uns ein niederdrückendes Gefühl mit dem Gedanken: Wie lange werden wir, d.h. die Ortsgemeinde Weißbriach mit ihren 729 zahlenden Bewohnern von der Außenwelt abgeschlossen bleiben, wann werden wir wieder Nachrichten von außen erhalten? Der Schneepflug braucht vom Kreuzberge (1096 m) bis Hermagor und zurück fast zwei Tage; während dieser Zeit sind wir von jedem Verkehre abgeschlossen. Wird nun z.B. die Straße Mittwoch oder Samstag abends fahr- und gehbar gemacht, so erhalten wir trotzdem unsere Briefschaften erst Freitags oder Montags, da am Donnerstag und Sonntag der Postbote nicht verkehrt. Mit einem gewissen Neid lesen wir in den Zeitungen, im Orte R. R. ist ein Postamt mit täglicher Fahrpostverbindung errichtet worden; bei uns aber hieß es seinerzeit: „Das Postamt Weißbriach wird aufgelassen.“ Alle Bestrebungen um Wiedererrichtung unseres Postamtes, Einführung der Fahrpost, directer Verbindung mit Station Greifenburg unter Berührung der Gemeinde Techendorf am Weißensee blieben erfolglos! Wo mögen etwa unsere diesbezüglichen Gesuche den Schlaf der Gerechten vornehmen? Wir schämen uns schon vor den Fremden, wenn die Frage an uns gestellt wird, wo in Weißbriach das Postamt sei! Abgesehen von den verschiedenen Plackereien bei Wertsendungen und den damit verbundenen Auslagen, ergreift uns Mitleid, wenn wir unseren Boten oft wie ein Maulthier bepackt, ankommen sehen. Wegen Erreichung unserer gerechten Forderung – Postamt in Weißbriach, Fahrpostverbindung Hermagor – Weißbriach, Weißensee - Greifenburg reichen sich die betreffenden Ortsgemeinden die Hände, da sie diese Postlinie nicht nur für die Bewohner, sondern auch für den Fremdenverkehr als unbedingt nothwendig erachten. Da die vielen Eingaben unbeachtet blieben, so sind diese Zeilen dazu bestimmt, unsere traurigen, postalischen Angelegenheiten in die Öffentlichkeit zu bringen mit dem Wunsche, dieselben mögen einer maßgebenden Persönlichkeit zu Gesicht kommen und entsprechend gewürdigt werden. –

 

Im nächsten Frühjahr wird hier eine zweite Holzstoff-Fabrik, die des Herrn Josef Kristen in Thätigkeit gesetzt werden.

 

 

Erste Poststation in Techendorf 1882 errichtet von Anna Hartlieb, damaligen Kreuzwirtin, als Gast- und Einkehrhaus mit Poststation

 

©Heidi Fian

 

 

Quelle:  Michael Skihar - Alte Ansichten vom Weißensee in Kärnten

 

Gasthof Alte Post, Seeland, Techendorf