11. August 1888 aus dem Zeitungsarchiv
Aus Weißbriach schreibt man uns:
Über die Fremdenbewegung in Kärnten wurde schon sehr Vieles geschrieben. Mancher Fremde beklagt sich über den Wirth, und viel häufiger der Wirth über die Fremden. Der letztere Fall tritt hauptsächlich dann ein, wenn Fluggäste einen Sommerfrischort besuchen. Wenn z.B. in einem Sommerfrischorte die ständigen Gäste sich über die Gasthausrechnung nicht beklagen und Fluggäste, welchen das Gleiche gerechnet wird, sich über die gleiche Rechnung empört fühlen, ist wohl der Schluss zu ziehen, welcher Theil schuldtragend ist.
So war es am Weißensee unlängst der Fall. Zwei Herren und vier Damen machten einen Ausflug zum Weißensee und kehrten dort im Gasthause „zur Post“ ein. Sie aßen anständig zu Mittag und tranken außer Flaschenbier auch noch Flaschenwein.
In Weißbriach angekommen, wurde aber über die hohe Rechnung, welche etwas über 8 fl. betrug, fürchterlich geschimpft und der Führer dieser Karawane verstieg sich in seiner Drohung so hoch, dass er, trotzdem 3/4 Liter Wein unbezahlt geblieben waren, die Gasthäuser am Weißensee tüchtig verreißen werde.
Da diese Persönlichkeit als Fiaker Gelegenheit hat, viele Fremde durch unwahre Angaben über die Preise in den Gasthäusern am Weißensee vom Besuche abzulenken, so können wir als nachbarschaftliche Anwohner mit gutem Gewissen sagen: „Glaubt dieser Person nicht, denn unsere Erfahrung lehrt, dass am Weißensee sehr billig zu leben ist und dass jeder Fremde mit Aufmerksamkeit behandelt wird.“
©Heidi Fian
Quelle: Michael Skihar - Alte Ansichten vom Weißensee in Kärnten
Bild von Michael Skihar "Gitschtal in alten Ansichten"