Badstuben oder Brechelstuben

In einem Artikel in der Carinthia, herausgegeben vom Geschichtsverein Kärnten, wurde geschrieben: „Noch im 15. Jhdt wurden die Badstuben im Winter gerne aufgesucht, um sich zu erwärmen und zu baden.“

 

Doch schon bald darauf scheint das in Vergessenheit geraten zu sein. Wird doch Anfang 1900 in der Carinthia geschrieben: „so muß in Bezug auf den Sinn für Reinlichkeit im kärnt. Volke ein großer Rückschritt angenommen werden. Der Bauer und sein Gesinde halten äußerst wenig auf das Waschen. Seife wird in den seltensten Fällen gebraucht. Zum Baden des Körpers nimmt man sich schon gar nicht die Zeit.“ Man schrieb auch über ältere Leute in der Seegegend: „so bequem das Baden in dem herrlichen Wasser des Sees wäre, hätten viele seit Kinderjahren nie mehr ein Bad im See genossen.“

 

Auch Bad- oder Brechelstuben wurden somit nur mehr zur Bearbeitung des Flachses und Dörren von Obst genutzt.

 

Im Franziszeischen Kataster, 1822-1828 vermessen, werden am Weissensee schon 10 Badstuben als solche im Bauparzellenprotokoll vermerkt. Wsl gab es noch einige mehr. In Neusach sind zB. 4 Badstuben unter der Straße in Seenähe eingezeichnet, 2 gemeinschaftliche, nur der Rupitsch und der Neusacher Moser besaßen eine eigene.

 

Unscheinbare Gebäude, aber durchaus bedeutsam für die bäuerlichen Höfe, im Herbst zum Dörren und Brecheln von Flachs genutzt.

 

Ein Holzbau im Blockbau gezimmert, der Ofenraum gemauert, glich der Bau einer armseligen Keusche. Manche Badstuben wurden auch als Wohnraum genutzt für Taglöhnerfamilien oder Frauen mit außerehelichen Kindern, die sich kümmerlich durchs Leben schlugen. Während der Zeit des Brechelns mussten die Inwohner für einige Tage oder Wochen ins Haus der Hofbesitzer.

 

Die Badstube stand stets abseits der Ortschaften wegen der Feuergefahr.

 

Im Sterbebuch Gatschach ist eine solche Tragödie eingetragen:

 

30.1.1869 Gatschach 0

 

Maria Kern, Bettlerin, eine unehel. Tochter der gleichnamigen Mutter, gewesene Dienstmagd auf der Breiner´schen Glashütte zu Tscherniheim in der Kurazie Stockenboi, 39 Jahre

Johann Kern unehel. Söhnlein, 4 Jahre

Anna Kern unehel. Töchterlein, 1 Jahr

 

Diese drei Personen wohnten in der der Nachbarschaft gehörigen nördlich vom Dorfe Gatschach gelegenen Badstube, in welcher am 30. Jänner 1869 auf eine bisher unbekannte Weise Feuer ausbrach. Durch dasselbe wurde die gedachte Badstube in Asche gelegt und auch die drei darin wohnenden Menschen: Maria, Johann und Anna Kern fanden in den Flammen ihren Tod.

 

 ©Heidi Fian

 

Quelle:  Michael Skihar - Alte Ansichten vom Weißensee in Kärnten

 

Weissensee in Kärnten, Panorama