„Ihr Kinderlein kommet“ – Die erste geprüfte Hebamme am Weissensee

Im 18. Und 19. Jhdt. war es um das Kindeswohl schlecht bestellt. Mangelnde Kenntnis über den Verlauf einer Geburt, schlechte hygienische Verhältnisse sowie eine kräftige Portion Aberglaube, war der Grund für eine hohe Kindersterblichkeit. Rund 10 % der Neugeborenen verstarben kurz nach der Geburt oder im 1. Lebensjahr. Ursprünglich war der Beruf einer Hebamme und eines Wundarztes ein Lehrberuf, erst Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden Hebammenschulen.

 

Die erste geprüfte Hebamme am Weißensee war Rosina Laber geborene Nageler. Eine geprüfte Hebamme geboren 1830 in Hochegg, Zlan als uneheliches Kind eines Großhändlers aus Triest und der Magdalena Nageler. Rosina heiratete 1849 in Fischertratten den Schullehrer Andreas Laber, Sohn des Schullehrers Jakob Laber aus Zlan. Bei ihrem Trauungseintrag steht dabei N.B. die erste unter Glockengeläute in Kärnthen geschlossene evangelische Ehe.

 

Andreas Laber übernahm nach der Lehrstelle in Fischertratten 1850 die Schule in Watschig. Von 1850 bis 1860 brachte Rosina Laber 7 Kinder zur Welt. 1861 ein schwerer Schicksalsschlag für die kinderreiche Familie, der Lehrer Andreas Laber starb an einer Lungenkrankheit im Alter von 35 Jahren.

 

In der Zeitschrift „Freie Pädagogische Blätter“ 1865 wird über eine Förderung zusätzlich zur viel zu geringen Pension von je 8 Gulden für die Lehrerswitwen Barbara Schaar aus Weißbriach und Rosina Laber Watschig berichtet.

 

1868 im Geburtsbuch Weißbriach-Weißensee wurde erstmals bei Geburten als geprüfte Hebamme aus Stockenboi Rosina Laber eingetragen. Bis Ende 1871 nur bei einigen wenigen Geburten anwesend, war es doch zu der Zeit noch üblich ältere Frauen aus dem Dorf zu den Geburten zu holen. Ab 1872 wurde Rosina Laber als Inwohnerin in Gatschach 5 beim vlg Schneider (zuletzt Manfreda) angeführt und sie wurde regelmäßig zu den Geburten geholt. Im Jahr begleitete sie im Schnitt 10 Weißenseer Mütter bei der Geburt. Im Lauf ihrer Karriere holte sie über 220 Kinder am See zur Welt.

 

Bis 1890 übte sie den Beruf am Weißensee alleine aus, danach wurde Maria Roth vlg Weber (Cella) in Techendorf 7 zu ihrer Stellvertreterin. Die letzten Geburten, die sie begleitete 1892 waren Kinder aus Gatschach vom Kalt, Jongg und Schneider.

 

Rosina´s eigene Kinder wurden nicht alle erwachsen. Der älteste Sohn Theodor brachte es bis zum Gendarmerie-Wachtmeister und Hausbesitzer im Lavanttal.

 

 

Am 25.7.1892 starb Rosina Laber, Lehrers-Witwe in Gatschach 5 an einem Herzleiden im Alter von 62 Jahren.

©Heidi Fian

 

 

Quelle:  Michael Skihar - Alte Ansichten vom Weißensee in Kärnten

 

Badehütte in Gatschach, im Hintergrund "Alter Kalt" Gatschach 20
Badehütte in Gatschach, im Hintergrund "Alter Kalt" Gatschach 20