Ein gemeinsames Leben

Aus dem Buch „Der Weissensee in Kärnten“ Touristenkarte 1897 herausgegeben von G. Ullmann Marburg unter Mithilfe von A. Lerch Schullehrer und K. Schwab k.k. Förster am Weissensee

 

"Nächst dem evangelischen Bethaus in Techendorf befindet sich der kleine Friedhof der Gemeinde. Die wenigen Grabdenkmäler beweisen, daß heroben am Weißensee, nicht viele Menschen sterben. Die Gemeinde ist zwar nicht groß, um viel Beleg für den Friedhof zu liefern, aber abgesehen davon, ist die Gegend äußerst gesund, und es werden die Leute alt. Bei dieser Gelegenheit kann ich nicht unterlassen, auf einen höchst merkwürdigen Denkstein auf diesem Friedhof aufmerksam zu machen. Es ist der auf dem Grabe der Eheleute Stampfer und besagt, daß diese: Christian und Christine mit Namen, im Jahre 1800 Beide den 8. Mai geboren, und im Jahre 1885 Beide am 8. Mai an ihrem beiderseitigen Geburtstag gestorben sind! Gewiss ein Unicum und ein Zufall, wie er kaum nochmals in dieser Art vorkommen dürfte!"

 

Alle Daten stimmen nicht ganz. Zu der Zeit wusste kaum einer sein genaues Geburtsdatum. Der Namenstag war zu der Zeit viel wichtiger. Geboren wurden die Beiden 1801 und nicht am selben Tag, aber gestorben ist das Ehepaar Stampfer innerhalb von 12 Stunden in Neusach 4 vlg Oelerkeusche.

 

Mai 1885 Klagenfurter Zeitung

"Aus Weißbriach in Oberkärnten wird vom 11. d. M. geschrieben: Gestern Nachmittags fand auf dem evangelischen Friedhofe zu Techendorf beim Weißensee das Doppelbegräbnis eines greisen Ehepaares, Namens Christian und Christine Stampfer von Neusach, statt, welches zusammen einige Monate über 168 Lebensjahre zählte und seit Jänner 1823, also durch mehr als 62 Jahre, in glücklicher Ehe verbunden war. Der Mann, das ehrwürdige Haupt einer zahlreichen, sehr geachteten Familie, war bis in sein vollendetes 84. Lebensjahr frischen Geistes, obwohl seit mehreren Jahren körperlich schwach, und starb nach kurzem Krankenlager am 7 d. M., Nachmittags 4 Uhr; zwölf Stunden später folgte ihm die treue Lebensgefährtin nach. Körperlich rüstiger als ihr Gatte, war sie doch schon seit langer Zeit sehr schwerhörig. Zwei Söhne und fünf Töchter, zahlreiche Enkel und Urenkel, folgten den beiden Särgen, die in einem Doppelgrabe beigesetzt wurden. Dank dem eingetretenen schönen Wetter – am Vortage hatte es geschneit – hatte sich eine ungewöhnlich zahlreiche Leichenbegleitung eingefunden. Erwähnt sei noch, daß der Mann, der früher ein sehr geschätzter Zimmermeister gewesen, als solcher mehrere schwere Verletzungen erlitten hatte, so daß es fast einem Wunder glich, wie er so alt werden konnte."

 

 

Die Kinder heirateten zum Sulzer in Oberdorf, in Neusach zum vlg Stampfer, zum vlg Untergasser, zum Lilg vlg Jakober, zum Moser vlg Aschner in Techendorf, Nageler vlg Zechner in Weissenbach in Zlan und zum Zöhrer vlg Liendl Naggl. Da gibt’s wohl heute noch einige Nachkommen am See.

©Heidi Fian

 

 

Quelle:  Michael Skihar - Alte Ansichten vom Weißensee in Kärnten

 

Techendorf,  evangelischer Kirche, Brücke
Techendorf mit evangelischer Kirche