Aus dem Buch „O du lieber Weissensee“ 1953 Dr. Werner Knapp
Über Naggl läuten die Herdenglocken. Der Raderhof liegt da und die Keusche vom Auen-Ander (heute Haus Mitterer). Der Weg rechter Hand führt hinauf zum Naggler, zum Liendl und zur Tischler-Keusche, wo sich einst die Mesner-Leute von Gatschach für einige Zeit festgesetzt hatten, bis sie ihr früheres Anwesen zurückerlangten.
Uraltes Bauernland ist das, man sieht es am Bau der Landschaft. Jeder Rain, jeder Weg, ja jeder Busch und jeder Baum sitzt hier am rechten Fleck, die Höfe selbst haben allemal den günstigsten Platz für ihre Lage gefunden.
Die älteste urkundliche Nachricht, die ich von hier habe bislang auffinden können, stammt aus dem Jahr 1252, wo in einer Vereinbarung zwischen Graf Meinhard von Görz und Graf Hermann von Ortenburg (bei Spittal) görzische Güter in „Nakel“ genannt werden. Mehr ist dem Urbar der Herrschaft Greifenburg von 1267 zu entnehmen. Hier werden ein Gottschalk, Heinrich und Zobodin als Untertanen „in der Nakel“ geführt, die Fischzins zu leisten haben. Außerdem wird ein Johannes erwähnt, der ein Neugereut inne hat. Wie er, so haben auch Konrad und drei Leute des Klosters Arnoldstein bei Hermagor, die hier sitzen, Geldzins nach Greifenburg zu entrichten.
Bis zur Auflösung der Grundherrschaft haben die Naggler Anwesen zu Greifenburg gehört und, vergleicht man ihre heutige Anzahl mit dem alten Greifenburger Güterverzeichnis, so möchte es scheinen, als wären im Mittelalter hier mehr Wirtschaften vorhanden gewesen.
©Heidi Fian
Quelle: Michael Skihar - Alte Ansichten vom Weißensee in Kärnten
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