Aus dem Leben einer Magd

Eine Vermögensverhandlung vom 14. März 1772 gibt uns Auskunft über das Vermögen einer Magd:

 

Es starb Maria eine ledige Magd bei ihrem Bruder in Oberdorf in Dienst ca 50 Jahre alt, ihr Sohn Hans Kartin in ledigem Stand erzeugt als Erbe

 

Ihr Vermögen

 

1 Pölz, 1 Wiachen (Grobes) und 1 Reistenes (Feines) Hals Hemet, 1 alter wiechener Kittel, 1 Schliefer, 1 altes Reistenes Leylach, 1 altes Pölsterl, die Leibs Truggen

 

Gesamt 3 Gulden 51 Kreuzer

 

Zum Besitz wurden die Schulden herein dazugezählt (Verliehenes vlt oder noch nicht bezahlter Lohn)

 

Bei der Schwester Freithofferin 5 Gulden, bei der Rothen 4 Gulden, bei der Gartz 6 Gulden, bei der Jangger 4,10, Erbs Portion (Erbe von den Eltern, wurde fast nie ausbezahlt) 10,56

 

Suma des Vermögen 33,57 fl

 

Davon wurden die Inventur Tax, das Förtig Gelt für den Pflegschreiber, den Richter, den Schatzmann den Gerichtsdiener, Inventurs Zöhrung, Verhandlungs Zöhrung, den Geistliche und Messner vor die Bestattung, Bestattungs Zöhrung 9,18 fl wieder abgezogen

 

Blieb ein Vermögen von 23 Gulden und 39 Kreuzern für den Erben Hans Kartin (ca 1740 – 1804 gelebt als lediger Knecht beim Haub in Oberdorf)

 

1762 verdiente eine Magd im Jahr 3-4 Gulden, ein Knecht 10-12 Gulden. Wenn Mägde und Knechte heiraten wollten, bedurften sie der Zustimmung der Grundherrschaft, was selten geschah. So blieb ihnen nichts anderes übrig als am Hof des Übernehmers weiter zu arbeiten oder sich bei einem anderen Bauern Arbeit zu suchen. Erst 1781 unter Kaiser Joseph II mit dem Untertanenpatent wurde die Leibeigenschaft beendet, das bedeutete freie Verehelichung, Wahl der Handwerksausbildung, Recht des Loskaufs von der Grundherrschaft

 

Zu dieser Zeit waren 80 % der Menschen im bäuerlichen Leben zuhause.

 

1858 betrug der Jahreslohn einer Magd 8 Gulden, oder in Naturallohn 2 lange Ellen Reisten–Leinwand, 3 lange Ellen Rupfen-Leinwand, 3 Paar Schuhe, 1 Kittel und 3 Gulden in bar

 

1760 bekam man für 1 Gulden 6 kg Fleisch oder 15 l Wein

1850 bekam man für 1 Gulden 1 kg Rindfleisch oder 4 l Wein

Gulden = fl von Florin, Florentiner, erstmals in Florenz geprägt

 

 ©Heidi Fian

 

Quelle:  Michael Skihar - Alte Ansichten vom Weißensee in Kärnten

 

Pfeifer Oberdorf
Pfeifers Oma in Oberdorf (Bild von Michael Skihar)